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| Nov 29, 2017

Stoffwechsellabor Leber

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“: In der Leber finden über 500 chemische Prozesse zum Entgiften und für die Balance im Blut statt.

Mit bis zu zwei Kilo Gewicht ist die Leber das Größte unserer inneren Organe. Über die Hälfte ihrer Masse macht der hohe Blutgehalt aus. Rund 2000 Liter täglich muss sie bewältigen. Sie spaltet Stoffe, bereitet auf, entgiftet und sortiert.

Ihren facettenreichen Funktionen wird sie mit unzähligen Leberläppchen gerecht. Sie bilden winzige Stoffwechseleinheiten, in denen die rund 300 Milliarden Leberzellen ihre Arbeit verrichten. Für den Austausch umschließt jedes Läppchen eine kleine Bindegewebsinsel mit entgiftenden Gallenwegen und versorgenden Blutgefäßen, denn die Leber braucht für ihre hohe Stoffwechselleistung auch viel Sauerstoff zur Energiegewinnung.

Vorratskammer

Vom Darm her erreichen die Leber die Nährstoffe, die aus der Nahrung gewonnen werden - darunter Zucker, Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe. Was gerade nicht benötigt wird, legt sie vorrübergehend als Vorrat an. Das gilt auch für den Blutzucker. Die Körperzellen nutzen ihn als Energiequelle. Zu viel Zucker im Blut aber lässt die Gefäße starr werden und Nerven sterben. Zuckerüberschuss wird daher als Speicherzucker (Glykogen) zwischenverwaltet und unter der Steuerung der Bauchspeicheldrüsenhormone bedarfsgerecht wieder ins Blut abgegeben. Genauso verfährt die Leber mit Fetten, Eiweißen, Vitaminen  und Spurenelementen. Und sie kann bei Bedarf Zucker in Fette umwandeln, was ihr bei Fehlernährung und Bewegungsmangel zum Verhängnis wird (mehr dazu erfahren Sie im Artikel zur Fettleber).

Hochleistungsfilter

Mit der Nahrung gelangen auch  unerwünschte Stoffe in den Körper. Pestizide, Weichmacher aus Kunststoffverpackungen, Medikamente und  Alkohol. Was schädlich ist, wird in der Leber umgebaut und entsorgt. Das betrifft auch giftige „Stoffwechselreste“ wie Ammoniak aus dem Eiweißabbau. Wasserlösliches verbannt sie anschließend über die Nieren und die ableitenden Harnwege in die Außenwelt, Fettlösliches über die Galle via Darm. Nachhaltigkeit ist bei all dem oberstes Prinzip. Was wiederverwertbar ist wird recycelt. Überschüssiges Cholesterin etwa nutzt die Leber als Baustein für die Gallenflüssigkeit.

Produktionsstätte

Die Leber produziert auch zahlreiche Stoffe selbst oder sorgt für ihre Fertigstellung, darunter Hormone, Verdauungsenzyme, Eiweiße für die Blutgerinnung, Vitamin D für stabile Knochen und Cholesterin als Grundbaustein für Hormone und die Gallensäure. Bis zu einem Liter Gallenflüssigkeit mischt sie täglich zusammen und gibt sie in die Gallenblase ab. Von hier gelangt sie als „Emulgator“ in den Dünndarm und leistet wichtige Verdauungshilfe. Nahrungsfette zerlegt die Gallensäure in feine Tröpfchen, so dass der Darm sie verdauen und aufnehmen kann.

 

Quelle:

Silbernagl, Stefan: Taschenatlas Physiologie. Thieme 2012.

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