Eisenmangel kann lange unerkannt bleiben, wenn sich die Diagnostik vornehmend am Hämoglobinwert orientiert. Eine neue Leitlinie der American Society of Hematology (ASH) setzt deshalb früher an: Für menstruierende Personen empfiehlt sie zur Diagnose eines Eisenmangels einen Ferritin-Schwellenwert von ≤30 μg/l und spricht sich gegen den bislang häufig verwendeten Wert von ≤15 μg/l aus. Bei starken Menstruationsblutungen, Symptomen eines Eisenmangels, zusätzlichen Risikofaktoren, einer bevorstehenden Operation oder Kinderwunsch hält die ASH einen Schwellenwert von ≤50 μg/l für angemessen. Zudem betont sie die Bedeutung einer ausführlichen Menstruationsanamnese, um insbesondere starke oder anderweitig abnorme uterine Blutungen zu erkennen.¹
Deutsche Leitlinie und aktuelle Daten weisen in dieselbe Richtung
Damit fügt sich die aktuelle ASH-Empfehlung in eine Entwicklung ein, die auch die deutsche DGHO-Leitlinie bereits beschreibt. Sie nennt zwar den WHO-Wert von <15 μg/l als beweisend für Eisenmangel, weist aber darauf hin, dass zunehmend eine Anhebung des unteren Ferritingrenzwerts gefordert werde. Wörtlich konstatiert sie einen „zunehmenden Consensus“, bei Erwachsenen geschlechtsunabhängig <30 μg/l als untere Grenze zu verwenden.²
Aktuelle Daten aus der Schweiz unterstreichen die Relevanz eines höheren Ferritin-Schwellenwerts.³ In einer gepoolten Analyse von 26 Studien mit 2.709 überwiegend jungen, gesunden Frauen lag bei 18,9 % ein Eisenmangel vor, wenn dieser als Ferritinwert <15 μg/l definiert wurde. Bei einem Cut-off von <30 μg/l waren es 45,8 %. Weil sich die Prävalenzdaten nur eingeschränkt auf die weibliche Gesamtbevölkerung übertragen lassen, ist vor allem ein weiteres Ergebnis interessant: Die Forschenden beobachteten einen Abfall des Hämoglobinwerts bei Ferritinkonzentrationen unter 28,5 μg/l. In diesem Bereich zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Ferritin und Hb. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass niedrigere Eisenspeicher die Erythropoese beeinträchtigen können. Bemerkenswert ist, dass der ermittelte Wert nahe an der Ferritingrenze von 30 μg/l liegt, die auch die aktuelle ASH-Leitlinie für die Diagnose eines Eisenmangels bei menstruierenden Personen empfiehlt.¹
Risikofaktoren erkennen, Eisenversorgung verbessern
Für die Praxis gilt es daher, Risikofaktoren für einen Eisenmangel frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen bei Frauen insbesondere regelmäßige oder verstärkte menstruationsbedingte Blutverluste, aber auch eine unzureichende Eisenzufuhr oder ein erhöhter Bedarf.² Bei entsprechenden Risikofaktoren oder Beschwerden kann die Bestimmung des Serumferritins helfen, einen Eisenmangel zu erkennen, bevor sich eine Anämie entwickelt. Wird ein Defizit festgestellt, sollte neben der Abklärung möglicher Ursachen auch die Eisenversorgung rechtzeitig verbessert werden.
Niedrige orale Dosierung wirksam und verträglich
Dabei muss eine wirksame orale Eisensubstitution nicht zwangsläufig hoch dosiert sein. Bereits niedrige therapeutische Eisendosen können einen Eisenmangel wirksam ausgleichen und die Eisenspeicher wirksam auffüllen⁴, was unter anderem auch in einer Studie bei Frauen mit Eisenmangel ohne manifeste Anämie gezeigt wurde.⁵
Neben der Wirksamkeit ist die gute Verträglichkeit eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Einnahme über den erforderlichen Zeitraum erfolgt. Niedrig dosierte Eisenpräparate profitieren aufgrund der geringeren Hepcidiantwort von einer prozentual besseren Resorption des Eisens und damit verbunden von weniger freiem Eisen im Darm. Eine Option der Niedrig-Eisen-Therapie ist Floradix mit Eisen: Das flüssige Arzneimittel liefert 36,8 mg verwertbares Eisen(II) pro Tagesdosis und kann insbesondere bei Frauen mit erhöhtem Eisenbedarf oder erhöhten Eisenverlusten eingesetzt werden.
Pressemitteilung: Eisenmangel vor der Anämie erkennen: Neue ASH-Leitlinie rückt höheren Ferritin-Schwellenwert in den Fokus
Quellen:
1) Powers JM et al. American Society of Hematology 2026 guidelines for diagnosis of iron deficiency. Blood Advances. 2026. doi:10.1182/bloodadvances.2025015950. ASH Publications
2) Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N. Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Onkopedia-Leitlinie. DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.; Stand April 2025. Eisenmangel und Eisenmangelanämie — Onkopedia
3) Herter-Aeberli I, Andersson M, Galetti V. Iron status in women of reproductive age in Switzerland: the role of inflammation and ferritin thresholds for the prevalence of iron deficiency—a cross-sectional study. European Journal of Clinical Nutrition.2026;80:221–227. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41315818/
4) Rimon E, Kagansky N, Kagansky M, et al. Are we giving too much iron? Low-dose iron therapy is effective in octogenarians. American Journal of Medicine. 2005;118(10):1142–1147. doi:10.1016/j.amjmed.2005.01.065. Are we giving too much iron? Low-dose iron therapy is effective in octogenarians - PubMed
5) Simic S, Karczewski M, Klapdor S, et al. Effectiveness of low-dose iron treatment in non-anaemic iron-deficient women: a prospective open-label single-arm trial. Swiss Medical Wkly. 2023;153:40079. doi:10.57187/smw.2023.40079. Effectiveness of low-dose iron treatment in non-anaemic iron-deficient women: a prospective open-label single-arm trial - PubMed