Reizdarmsyndrom

Mal Verstopfung, mal Durchfall, mal Bauchschmerzen und keine klaren Ursachen. Erfahren Sie hier, was hinter der „modernen“ Volkskrankheit steckt.

Reizdarmsyndrom

Reizdarmsyndrom:

Wenn der Darm „verrücktspielt"

Der Reizdarm ist zur Volkskrankheit geworden. Schätzungen zufolge sind ca. 11 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Frauen doppelt so oft wie Männer(1). Die Ursachen sind komplex. Die Symptome sind es auch. Über ein mysteriöses Krankheitsbild und Wege zurück in die Balance.

Ein „Reizdarm" ist kein einfaches organisches Leiden. Vielmehr gibt es ein Spektrum an möglichen Ursachen, das eine Vielzahl an Symptomen auslösen kann. Der Arzt spricht daher auch von „Reizdarm-Syndrom" (RDS).

Reizdarm-Patienten quälen sich mit krampfartigen Bauchschmerzen, Druck- und Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Übelkeit. Die Symptome treten in unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen auf. Dem irritierten Darm, fachsprachlich auch „Colon irritable" oder „Irritable Bowel Syndrome" (IBS) genannt, fehlt das Konzept für passende Darmbewegungen und den richtigen Cocktail an Verdauungssäften. Er ist überempfindlich gegenüber Druck und Dehnung und oft liegen keine klaren Ursachen vor. Die Belastung der Lebensqualität durch das RDS, zum Beispiel im Beruf, in der Familie oder Partnerschaft oder in der Freizeit, reicht von gering bis erheblich.

Bis die Diagnose „Reizdarm" fällt, ist es oft ein langer Weg. Zunächst müssen alle Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome verursachen und alle möglichen Auslöser sind zu überprüfen. Manchmal reicht Stress. Bei anderen finden sich chronische Entzündungen, Infekte oder eine zurückliegende Antibiotika-Therapie. Fehlleitungen des Immunsystems können dahinter stecken, Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie die Fruktose- oder Laktose-Intoleranz, aber auch ein Tumor. Experten sehen im RDS auch eine funktionelle Störung der sogenannten „Brain-Gut"-Achse (Gehirn-Darm-Achse).

Wann liegt ein Reizdarm vor?

Nach den offiziellen „Leitlinien", die Ärzten als Maßstab für Diagnostik und Therapie dienen, liegt ein Reizdarmsyndrom dann vor, wenn folgende drei Voraussetzungen erfüllt sind(2):

  • Es bestehen länger als drei Monate anhaltende Beschwerden, die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und die mit Veränderungen des Stuhlgangs einhergehen.
  • Die Beschwerden sind so stark, dass die Lebensqualität des Patienten relevant beeinträchtigt wird und er deshalb (ärztliche) Hilfe sucht.
  • Für andere Krankheitsbilder charakteristische Veränderungen, die für die Symptomatik verantwortlich sein können, liegen nicht vor.

Gestörtes Gleichgewicht

Die Verdauung ist ein komplexes Regelwerk mit vielen Stellschrauben. Magen, Darm, Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse sind darin genauso verstrickt, wie Immun- und Nervensystem oder Hormone und andere Botenstoffe. Entgleist einer, kippen andere mit. Ein gutes Beispiel ist Stress. Unser Gehirn und das Nervensystem am Darm stehen über Botenstoffe im Austausch. Stress kann so die Nerven am Darm in eine Art Dauererregung versetzen, die die Regulation der Darmbewegung durcheinander bringt und „Schmerz" meldet. Der Stress „schlägt uns auf den Darm". Anders herum kann ein kranker Darm, zum Beispiel nach jahrelanger Fehlernährung, über Nervenbotenstoffe unser Empfinden beeinflussen. Oft sind Auslöser und Folgen kaum zu trennen, wie im Wechselspiel einer gestörten Darmbarriere (Leaky Gut) mit dem Reizdarmsyndrom.

Die Therapie des RDS ist individuell und richtet sich danach, welche Symptome vorherrschen und welche Ursachen zu behandeln sind. Eine zentrale Bedeutung nimmt dabei eine intakte Darmflora ein. Ernährung und psychologische Verfahren zur Stressreduktion bilden in der Behandlung entscheidende Einflussfaktoren. Auch pro- und präbiotische Präparate können eine besondere Rolle spielen.

Quellenangaben

BAMER Arztreport 2019. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. Grobe, Steinmann, Szecsenyi. Band 14
S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, AWMF-Registriernummer: 021/016

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