249 Views
| 14.12.2017

Wüste, Hitze, Marathon

Der Marathonläufer Paul Ramp hat Ehrgeiz: Auf jedem Kontinent will er einen Marathon laufen. Seine Challenge hat ihn in die Wüste Australiens geführt. Im Gesund bleiben Magazin erzählt er von der einmaligen Erfahrung am Australian Outback Marathon teilzunehmen.

„Australien ist für mich Faszination pur: Wüste und unendliche Küsten. Schon der Flug von Melbourne nach Alice Springs ist ein Erlebnis. 3 Stunden lang überfliegt man das australische Outback. Am liebsten würde ich jetzt rausspringen und loslaufen. Ich habe in den letzten Monaten viel Zeit in Training investiert. Körperlich, aber auch mental. Denn beim Sahara Marathon habe ich gelernt: Die Wüste ist knallhart und verzeiht keinen Fehler. Die Wüste kann man nicht bezwingen. Man kann nur mit ihr laufen. Dann bekommt man als Läufer seine Chance. Eine Chance auf eine gute Laufzeit. Mit diesen Gedanken steige ich nun in Alice Springs aus dem Flugzeug aus. Es ist ungewöhnlich heiß für diese Jahreszeit. Nach einer Dusche stellt mir der Hotelbesitzer ein Fahrrad zur Verfügung und ich fahre gleich los. Das tut mehr als gut und eine sehr erholsame Nacht ist die Folge.

Zwei Tage später geht es nach Yulara, dem Ausgangspunkt zum Berg Uluru (auch Ayers Rock genannt). Auf die lange Fahrt folgt eine angenehme Überraschung. Ich darf bei dem Briefing vor dem Marathon vor einigen Hunderten von Leuten über mein Projekt 7M7C (7 Marathons auf 7 Kontinenten) sprechen. Der nächste Morgen ist dann eiskalt. Wir Läufer werden tief ins Outback gefahren. Der Sonnenaufgang ist fantastisch - Wüste pur, Gänsehaut.

Die Strecke ist sensationell. Der Uluru ist meistens in Sichtweite. Nach zwei Stunden und 25 Kilometer laufen hat sich die Temperatur vervierfacht und erreicht nun etwa 35 Grad. Der Sand auf der Strecke ist knallrot und tief. Schön für die Augen, aber für die Beine eine Qual. Anders wie bei vielen Stadtmarathons wird man nur alle 3 Kilometer angefeuert. Von den freundlichen Australiern an den Verpflegungsstationen.

Ich bin nun 10 Kilometer vor dem Ziel und überhole immer mehr Läufer. Die Erinnerungen aus der Sahara kommen hoch. Dort hat mich die Wüste auf den letzten 10 Kilometer niedergemacht und mir meinen ersten Marathon über 4 Stunden "beschert". Das darf diesmal nicht vorkommen. Dann sind es nur noch 2 Kilometer und ich weiß zu 100 Prozent, dass ich es unter 4 Stunden schaffen werde.

Jetzt kann ich das Laufen in vollen Zügen genießen. Keine Schmerzen, nur pure Freude. Sport ist unglaublich. Er gibt einem alles zurück. Immer. Und wenn gerade nicht, dann ist das bloß eine Lektion. Wer daraus lernt, ist beim nächsten Mal der Gewinner.

Zum Gewinner des Australian Outback Marathons 2017 wird es bei mir nicht reichen, aber ich belege mit meiner Zeit von 3 Stunden und 47 Minuten immerhin den 8. Platz von mehr als 160 Marathonläufern und bin sehr zufrieden mit meinem Ergebnis. Der 6. Kontinent ist nun geschafft. Es bleibt also nur noch die Antarktis. Das werde ich auch noch schaffen.“

Wir verwenden Cookies, um Ihren Website-Besuch für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden.